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Verbrecherische Greuelhetze gegen die linke Partei

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Und immer wieder Israel. Ist es ein Fetisch? Hat meine Nationalität damit zu tun, bin ich ein auf Philosemit gewendeter Antisemit, bereit, mein wahres Gesicht zu zeigen, sobald der vom Volk ersehnte kleine Hitler in den Reichstag einzieht? Eher nicht. Ich war einfach lange selber Elche und kann bis heute nicht verstehen, warum. Quasi fühle ich mich vergangener Gedankenverbrechen schuldig und verspreche mir von wütendem Proisraelismus Läuterung. Ja ja, die Psychologie. Oder war es die Psychoanalyse? Tierschützer wird, wem das eigene Es unangenehm ist, Atomkraftgegner kompensieren eine ganze Latte Penisneid, Gegner der Todesstrafe treibt ein volksgerichthöfisches Über-Ich, Antiimperialisten eine nicht abgeschlossene Pubertät, Dogmatiker sind belesene Affen.

Aller Gemeinsamkeit indes: Obige Fest- bis Klarstellungen föchten sie selbst dann nicht an, wenn sie sie kennten. Grund? So läuft es einfach nicht. Neue Frisur? Den Prozess gewinnst du. Höhö. Israel? Gegen die Juden darf man ja nichts sagen. Die machen genau das gleiche wie die Nazis, aber wollen dauernd Geld von uns, weil der Hitler früher mal ein paar von ihnen umgebracht hat. Die Amis haben mit den Indianern genau dasselbe gemacht, aber die zieht niemand zur Verantwortung. Und die Juden rotten die Palästinenser aus. Sagt sogar die Hecht-Galinski, und die ist Jude, also kann sie nichts gegen Juden haben. Die darf Israel kritisieren. Aber wir dürfen nichts gegen die Juden sagen, sonst haben wir gleich den Mossad am Hals. Höhö.

Wo war ich? Genau, ich wollte eine Einleitung für den kommenden Absatz schreiben und bin gescheitert. Nehmen wir also einfach an, ein paar Israelkritiker hätten diesen Text aufgerufen und festgestellt, dass ich schon wieder Israel thematisiere. Wechseln wir außerdem in den Indikativ. Nun also stehen oder sitzen die Damen und Herren Möchtegernnahostentjuder vor ihren Bildschirmen.

Was hat er dauernd mit den Juden, fragen sie sich, was geht er an die Decke, wann immer jemand es wagt, auch nur ein kritisches Wort über diese, unsere jüdischen Mitstreiter ausgenommen, raub- und raffgierigen Völkermörder zu äußern, die aus den mit deutschem Wiedergutmachungsgold veredelten Schädeln ihrer eigenen Vorfahren arabisches Blut saufen und dafür auch noch Anerkennung erwarten? Sie sollten uns auf Knien dafür danken, dass gerade wir als Deutsche trotz eindeutiger Beweislage dazu verdammt sind, ihnen nicht nur selbst keine Lektion zu erteilen, sondern auch den Rest der Welt soweit möglich davon abzuhalten.

So in etwa trompeten sie, sei’s in sich hinein, sei’s in die Welt hinaus. Wenige Minuten später werden flammende Appelle entsprechenden Inhalts verfasst, verbreiten sich im Internet mit doppelter Gerüchtgeschwindigkeit und werden zu dem, was man in einschlägigen Internetforen für glaubwürdige Quellen hält. Über quellen Schaum und Geifer und reißen, begleitet vom Geschrei faustschwingender Weltnotfallsmitgewaltverbesserer, als Schlammlawine alles mit, was schäumt, geifert und schreit, und alles in Stücke, was dergleichen verweigernd vielmehr den klaren Gedanken schätzt und nicht Bestätigung sucht, sondern Wissen. Solche Lawinen, muss hier betont werden, sind in Deutschland ungefähr so selten wie Regen, und es grenzt an ein Wunder, dass es ihnen doch nicht gelingt, alle Vernunft zu ersticken.

Langweilig? Ich weiß. Deutsche Freunde Israels haben nur die Wahl zwischen Wiederholung und Schweigen. Die sachliche Argumentation hat sich längst als sinnlos erwiesen – wie jeder weiß, der nicht unerfahren oder stur genug ist, mit höflich formulierten und einwandfrei belegten Fakten gegen ein Ressentiment anzurennen, das mit nur zwei so stumpfsinnigen wie hochwirksamen Scheinargumenten – “Man muss auch Juden kritisieren dürfen” und “Das ist zionistische Propaganda” – in lächerlicher Kürze alles abzuschmettern vermag, was der törichte Aufklärer mühsam zusammentragen musste.

Mit Polemik, wir wissen es ja, ist erst recht nichts zu reißen. Allerdings macht sie nicht nur weniger Arbeit, sondern auch mehr Spaß. Falsch. Konjunktiv. Konjunktiv II. Sie machte mehr Spaß, wäre sie mittlerweile nicht abgestanden. Bitte? Ja, kann sein. Würde mich jedenfalls nicht wundern, auch wenn mir die Vorstellung nicht gefällt: Menschen, die der Ansicht sind, Ressentimenterfüllte ließen sich eines Besseren belehren, indem man sie regelmäßig mit größtmöglicher Härte Mores lehre… Bahamas? Lassen wir das. Die Polemik jedenfalls ist abgestanden, lebt nur noch von Wiederholungen. Spaß macht sie nicht mehr. Alles wurde gesagt und wird immer wieder gesagt, nicht nur von Seiten der Freunde Israels. Zwei Schützengräben, ein immer gleicher Schusswechsel. Wer zwischen den Gräben steht, wird von beiden Seiten beschossen. Als zionistischer Antisemit oder antisemitischer Zionist. Wer hinter einem Graben steht, wird von der eigenen Seite nicht wahrgenommen und bekommt von der anderen Feuer. Worauf ich hinaus will? Auf nichts weiter.

Allerdings kann man meine Worte so verstehen, dass es aus meiner Sicht sinnlos sei, an dieser Debatte teilzunehmen.

Ich möchte den Schützengraben verlassen, freilich mit Waffe. Gerät man unter bewaffnete Lumpen, kann es wohltuend sein, die eine oder andere Salve abzufeuern. Zur Klarstellung: Diese Waffen töten nicht, sie schmerzen bestenfalls, und die einzigen Industrien, die daran verdienen, sind die Softwareentwicklerindustrie, die Computerherstellerindustrie, die Halsbonbonindustrie und diejenige Industrie, die dafür zuständig ist, frühverrenteten Borderlinern mit Internetanschluss zu erklären, dass es nicht erfolgversprechend ist, Forennutzer wegen respektloser Kommentare zu verklagen.

Ja, ich werde den Schützengraben verlassen. Nach einer letzten Salve.

Die linke Partei, um das als ehemalige Elche ein für allemal klarzustellen, ist die Partei der trübgeistigen Besserwisser und der scheinheiligen Großmäuler, die Partei der aufdringlichen Pöbelnachquatscher und der rührseligen Moralapostel, die Partei der Sozialnarzissten und der Vulgärpazifisten. Insofern ist es kein Wunder, dass der Antisemitismus, sieht man von der NPD, den freien Kameradschaften und einigen linken Sekten wie der MLPD ab, wohl nirgends üppiger gedeiht und nirgends vehementer verteidigt wird als in der linken Partei.

Dieses Urteil, lieber Lederklaus, falls du mitlesen solltest, mag manchem Parteimitglied überhart und ungerecht, wahrscheinlich auch diffamierend erscheinen. Woran sonst aber kann es liegen, dass Höger, Groth, Buchholz, Movassat und andere Fraktionsmitglieder noch immer Konsequenzen nicht einmal fürchten müssen? Woran sonst kann es liegen, dass die Hamas-Freunde unter den Fraktionsmitgliedern auf ihren offiziellen Websites freien Herzens weiter giften, während kein einziger eigentlich vernünftiger Linker mit überregionalem Bekanntheitsgrad es wagt, Antisemitismus öffentlich Antisemitismus zu nennen? Was sind Fraktionsbeschlüsse wert, die gegen eine Mehrheit unter Rücktrittsdrohungen erzwungen und ein paar Tage später faktisch widerrufen werden? Und die Ausschlussverfahren, die aktuell gegen eine halbe Seniorenportion aus Duisburg und einen Halbstarkenrülpser aus München laufen oder eingeleitet werden, sind sie nicht längst überfällig, sind sie nicht nur Bauernopferungen, haben sie überhaupt eine Aussicht auf Erfolg? Die Basis übrigens ist sich weitgehend darüber einig, dass es sich bei der Kritik des Antisemitismus der linken Partei um eine völlig haltlose Medienkampagne handele, derweil ich kritische Berichte mit der Lupe suchen muss.

Als die SED zur PDS wurde, war ich sieben oder acht Jahre alt und nicht an Politik interessiert, jedoch habe ich mir später sagen lassen, dass die Partei damals die Selbstkritik für sich entdeckte. Noch immer vertraue ich denjenigen, die gescheitert und, sich dessen bewusst, für Dogmen nicht mehr anfällig sind, denjenigen PDSlern, die neue Wege zu erschließen, Traum und Wahrheit zu vereinen suchen. Aber ihre Zahl ist stark gesunken. Viele wurden vom Lafontainismus gefressen oder verjagt, andere wählten die innere Emigration. Wenige sind noch aktiv und huschen, wie die Karnevalsteufelchen, ab und an aus ihren Löchern, um schnell ein leises Kritikchen zu äußern, ehe sie ein gezielter Hammer- und Sichelschlag zurück in ihre Löcher befördert.

Nun jedenfalls, da die Partei wieder immer recht hat und zum Schlechten gar nicht fähig ist, jedoch von übelwollenden Medien pausenlos mit rufmörderischen Kampagnen überzogen wird, nun, da wohl bald der Faschismus, der ja keine Meinung, sondern ein Verbrechen ist, wieder orthodox kommunistisch gedeutet wird (Faschismus = alles, was kein Kommunismus ist), sind zwingend alle antisemitischen Äußerungen entweder nicht antisemitisch oder auf die Aktivitäten faschistischer Agenten zurückzuführen, ist zwingend jede Kritik ein von äußeren Feinden gesteuerter Versuch, die Parteilinie zu verwässern und das Parteiklima zu vergiften und jeder innerparteiliche Kritiker entweder dumm oder schlecht, aber jedenfalls ein Spalter, bleiben, wann immer es um den Judenstaat geht, Aufrufe zur Vernichtung eines bestehenden Staates und Kumpanei mit mittelalterlichen Terrorgruppen, die beabsichtigen, die Bevölkerung des zu vernichtenden Staates auszurotten und auf dem Gebiet eine frauen-, schwulen- und andersdenkendenfeindliche Theokratie zu errichten, sachliche Kritik, die erlaubt sein müsse, fortschrittlich sei und der mit Sicherheit weder Hass noch Wahn zugrunde liege.

Gut, noch ist es nicht ganz so weit. Noch gäbe es Hoffnung, eigentlich. Es gibt prominente Parteimitglieder, die vernunftbegabt sind und unter den gegenwärtigen Entwicklungen leiden. Könnten sie sich nur endlich dazu durchringen, Antisemitismus auch öffentlich Antisemitismus zu nennen! Aber ihnen fehlt die Aggression, sie möchten eine Harmonie erhalten, die nur in ihren Köpfen existiert. In der Linksjugend gibt es einen Arbeitskreis, der sich dem Kampf gegen Antisemitismus verschrieben hat. Könnte er sich nur endlich dazu durchringen, den Kampf aufzunehmen! Aber er tut das, was Jugendgruppen am liebsten tun: nichts. Alle paar Monate ein wenig beachteter, da gar nicht beworbener Text zu einem Monate alten Thema, ansonsten Stille.

So sind sie, die parteilinken Verteidiger Israels: entweder müde oder eingeschlafen. Wer Zeit und Lust hat (und verlorene Posten mag), sollte der Partei beitreten und mehrere Stunden täglich rütteln, schütteln, treten. Vielleicht geht ja doch noch was.

Böse, böse Kanzlerin: zum Tode bin Ladens

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Gutmenschen sind das nicht, nein. Es sind Toren, Naivlinge, es sind Ratten, die einen pfeifenden Menschen haben vorbeilaufen sehen, seither beim Laufen pfeifen und sich dabei einbilden, sie wären Zweibeiner. Man kann ihnen nicht böse sein, muss sie ertragen, könnte sie belächeln und fürderhin ignorieren, pfiffen sie nicht gar so laut und wären sie nicht gar so reich an Zahl: die vor dem Dreck aufgesetzter Betroffenheit starrenden Kreaturen vor den Kameras und hinter den Tastaturen, die sich derzeit berufen fühlen, der deutschen Bundeskanzlerin einen ordentlichen Anpfiff zu verpassen, weil sie es wagte, öffentlich Freude über den Tod Osama bin Ladens zu bekunden. Nein, das sind keine Gutmenschen. Gutmenschen denken nach, ehe sie sich beschweren. Nur Rechtspopulisten und Dorftrottel betrachten alles als Gutmensch, was nicht jeden ertappten Taschendieb umgehend häuten und salzen will, vor allem dann, wenn er kein Volksdeutscher ist.

Zitat Merkel: “Ich freue mich darüber, dass es gelungen ist, Bin Laden zu töten.”

Hat Angela Merkel gelogen, als sie ihre Freude bekundete, äußerte sie sich diplomatisch und muss sich angesichts der Beschwerden den Vorwurf gefallen zu lassen, bei der Gestaltung ihrer Lüge schludrig vorgegangen zu sein. Hat sie nicht gelogen, war sie außergewöhnlich ehrlich, denn wer gibt heutzutage schon freimütig zu, sich über die Tötung eines Menschen zu freuen? Alles nicht so wild, sollte man meinen, aber wer das tut, hat die Rechnung ohne die liebsten Kinder der Scheinheiligkeit gemacht: die Christen:

“‘Als Christin kann ich nur sagen, dass es kein Grund zum Feiern ist, wenn jemand gezielt getötet wird’, sagte Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Grüne) der ‘Berliner Zeitung’ (Mittwochausgabe). Die Grünen-Politikerin ist auch Präses der Synode der Evangelischen Kirche Deutschlands. ‘Man kann sich darüber freuen, dass Osama bin Laden nicht mehr als Anführer der Terroristen tätig sein kann. Aber über seinen Tod kann man sich nicht freuen’, fuhr sie fort. (…) Kritik an Merkel kam ebenfalls vom Sprecher des Arbeitskreises Engagierter Katholiken in der CDU, Martin Lohmann. „Die Tötung eines Menschen könne für einen Christen nie Grund zur Freude sein. Froh könne man darüber sein, dass nun die Gefahr des Terrorismus gedämmt sei, doch wäre es besser gewesen, Osama bin Laden festzunehmen und vor Gericht zu stellen.’” 

Die Christen halt, denkt sich der Ketzer. Sind nicht nur anständiger als ihr eigener Gott, sondern finden auch nichts schrecklicher als eine Begegnung mit ihm. So sehen Gläubige aus, wenn sie auf elterlichen Befehl zu glauben glauben. Jedenfalls: Was könnte der christliche Gott gegen die Tötung eines Moslems haben, der sein Leben der gewaltsamen Verbreitung des Islam gewidmet hatte? Gut, er mag dereinst, wenn Barak Obama das Zeitliche gesegnet hat und hoffnungsvoll an die Himmelspforte klopft, diesen mit folgenden Worten zur Hölle schicken: “Den Osama wollte ich umbringen, du Arschloch!” Sei’s drum. Geschissen allgemein auf Katholizismus und CDU, aber was ist mit den Grünen?

Was will die Göring? Freut sich nicht über den Tod, aber über die aus dem Tod resultierenden Konsequenzen, wahrscheinlich so wie man sich über ein gutes Schnitzel freut, aber nicht über die Schlachtung des dazugehörigen Schweins. Nicht missverstehen: Osama war kein Schwein. Er kann keines gewesen sein, denn ein Schwein hätte es in der islamischen Welt niemals so weit gebracht. Aber die Göring ist eine Heuchlerin, ebenso wie ihre Partei. Was sagt die Partei? Sie sagt, in Gestalt ihres stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Frithjof Schmidt: “Wie alle friedliebenden Menschen sind wir erleichtert, dass Osama bin Laden sein blutiges Handwerk nicht fortsetzen kann” – ein Schelm, wer darin Freude über den Tod des Qaidaführers erkennt.

Und die anderen Parteien? Die FDP in Gestalt Westerwelles bezeichnet die Tötung als “gute Nachricht für alle friedliebenden und freiheitlich denkenden Menschen in der Welt” und geht dabei insofern zu weit, als es nicht gerade mit freiheitlichen Grundsätzen zu vereinbaren ist, einen Menschen zu töten, ohne ihm vorher die Möglichkeit einzuräumen, sich im Rahmen einer Gerichtsverhandlung zu verteidigen. Während Angela Merkel schlicht Freude über die Tat zum Ausdruck brachte, bezeichnet Westerwelle die Tat als Triumph der Freiheit, ohne für sein gedankenloses Geschwätz kritisiert zu werden.

Die SPD lässt mitteilen, “dass sich die Runde darüber gefreut habe, ‘dass dieser Schlag gegen den internationalen Terrorismus gelungen ist’”  , lässt aber gleichzeitig einen Markus Franz betonen, dass der Deutsche an sich viel zu vernünftig sei, um in das “Jubelgeheul” der von Emotionen getriebenen Amis einzustimmen - wohl um ja nicht den Eindruck zu erwecken, der traditionelle deutsche Minderwertigkeitskomplex und die narzisstische Arroganz, die daraus resultiert, hätten seit Kriegsende auch nur geringfügig abgenommen.

Für die Partei “Die Linke” bezeichnet der Parteivorsitzende Klaus Ernst die Tötung als “moralischen Sieg” und lässt dabei offen, inwiefern eine Tötung, noch dazu ohne vorhergehenden Prozess, moralisch sei, während die Hisbollah-Sympathisantin Christine Buchholz sich die Erklärung zusammenspinnt, mit der “außergerichtlichen Hinrichtung” habe Barak Obama verhindern wollen, dass “die langjährige US-Kooperation mit bin Laden … an die Öffentlichkeit” komme.  Hier stehen sich also gedankenloses Gefasel und wahnhaftes Gefasel gegenüber.

Der Presse wiederum blieb es vorbehalten, dem Blödsinn die Krone aufzusetzen. So zitiert die Süddeutsche Zeitung einen “Völkerrechtsexperten” mit der Aussage, “[s]tatt Rechtsstaatlichkeit regiere das Prinzip Auge um Auge, Zahn um Zahn”, und bringt damit endlich die beliebteste Phrase Deutschlands ins Spiel. Die USA hätten alttestamentarisch, d.h. unchristlich und grausam, d.h. in deutschen Hirnen: jüdisch, gehandelt und würden dafür auch noch von deutschen Politikern gelobt – für die Süddeutsche Zeitung ein Skandal. Und das, obwohl noch nicht einmal geklärt wurde, wie die Tötung rechtlich zu bewerten ist und ob sie überhaupt beabsichtigt war. Aber wenn es darum geht, die USA zu verdammen und sich dabei antisemitischer Gemeinplätze zu bedienen, fragt kein Deutscher nach Beweisen.

Wie dem auch sei. Osama bin Laden ist tot. Nach rechtsstaatlichen Maßstäben hätte er vor Gericht gestellt werden müssen. Das ist nicht geschehen. Warum, wird sich noch herausstellen. Wäre er vor Gericht gestellt worden, hätte man ihn höchstwahrscheinlich, wie einst Saddam Hussein, zum Tod am Galgen verurteilt. Durch die Erschießung blieben Osama bin Laden die schweren, dunklen Stunden erspart, die ein zum Tode Verurteilter durchlebt, während er auf die Vollstreckung wartet. Insofern kam er glimpflich davon. 

Die Weltfriedensflottille, Tag 1: Im Namen der Zärtlichkeit

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Wir schreiben das Jahr 2013. Die zivilisierte Welt hat erkannt, dass Schiffsfahrten nach Gaza allein nicht ausreichen, um dem zionistischen Weltfriedensgefährder das Handwerk zu legen. Gemeinsam mit vielen Genoss_Innen aus allen möglichen zivilisierten Ländern der Erde haben sich die beiden deutschen Landtagsabgeordneten Inga P. und Anni J. auf eine mehrwöchige Mission begeben, um alle Brennpunkte der Welt mit Hilfsgütern und symbolischen Akten zu versorgen und überall den schädlichen Einfluss des Zionismus aufzudecken und ihn samt seiner Ursache dorthin zurückzudrängen, wo er hingehört: in die Vergangenheit. Dies sind die Abenteuer der Weltfriedensflottille.

Logbucheintrag vom 20.05.2013: “Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker” (Ernesto Che Guevara). Dieses so schöne wie wahre Zitat des sowohl bekanntesten als auch vorbildlichsten Sozialisten aller Zeiten soll am Anfang unseres Logbüchleins stehen und Genosse Che, der, wie wir aus zuverlässigen Quellen wissen, selbst im härtesten Kampf für die Freiheit des boliviarischen Volkes ein Mann von vorzüglicher Sanftmut war, soll uns Vorbild sein auf unserer langen Reise, unserer Sternfahrt für den Weltfrieden und gegen den Zionismus. Das erste Ziel unserer Reise ist der Landstrich, der am meisten unter dem zionistischen Terrorismus zu leiden hat: Gaza. Gelingt es uns, den Hafen von Gaza Stadt zu erreichen und wieder abzulegen, ohne von der blutrünstigen Piratenbande, die von unserer den Zionist_Innen hörigen Systempresse verharmlosend als “Israeli Defense Force” bezeichnet wird, überfallen und ermordet zu werden, werden wir als nächstes Syrien anlaufen, um unsere Vorräte aufzustocken. Genosse Assad hat uns jede Hilfe zugesichert, die wir benötigen. Wir sind insgesamt etwa 530 Aktivist_Innen aus aller Welt, verteilt auf insgesamt vier Passagierschiffe, zwei für Männer, eines für Frauen und eines für Homo- und Transsexuelle. Um weder das schwache noch das, wie einige unserer Freund_Innen scherzhaft sagen, gottlose Geschlecht zu überfordern, haben sich die Männer dazu bereit erklärt, sämtliche Tätigkeiten zu übernehmen, die mit Verantwortung einhergehen. Die Frauenbewegung in Deutschland könnte sich zufrieden zur Ruhe setzen, wenn sich die deutschen Männer daran ein Beispiel nähmen. Dass so viele unserer Mitaktivist_Innen Bärte tragen, finde ich zwar nicht gerade schick, aber das liegt an ihrer anderen Kultur. Die Frauenbewegung muss also nicht befürchten, umsonst für die männliche Glattrasur gekämpft zu haben.

Frauenstimme: Inga?

Inga (schreckt hoch): Was? Ja? Ach so, du bist es. Hast mich erschreckt. Grüß dich!

Frauenstimme (betont fröhlich): Da werden wir noch viele erschrecken! Wie es so schön heißt: Auf, auf, zum fröhlichen Schippern!

Inga (nachdenklich): Muss das nicht Schiffen heißen?

Frauenstimme: Nein, wir sind auf Schiffen. Und da wird geschippert. (wird ernst) Hast du heute früh Zeitung gelesen?

Inga (genervt): Anni, mach mich nicht kirre! Schon wieder Hetze gegen uns?

Anni: Warte mal, wie war das noch? (hebt die Stimme) Zwei Landtagsabgeordnete gehen mit Isel.. mit Isel… gehen… Mist, Moment. Bin noch nicht richtig wach. Landtagsabgeordnete, na mit so religiösen Antisemitisten, und (fängt sich wieder) Diese angebliche Friedensflottille betreibt eigentlich Propaganda für Terroristen. Ich meine, geht’s noch?

Inga (ärgerlich): Solche Zeitungen lese ich nicht. Ist doch klar, dass die sowas schreiben, die sind doch alle von den Anzeigen abhängig, die die Großkonzerne schalten, und die schreiben nichts, was den Amis nicht passt. Lass dir lieber eine Zeitung von Tarik geben, in dem seinen Land kontrolliert kein Großkapitalist die Presse, da passt der Staat gut auf. Die schreiben, was stimmt. Lass dir von Tarik eine geben, der kommt noch mal, kurz bevor wir losmachen. Ist aber englisch.

Anni (locker): Hauptsache, es steht was Vernünftiges drin.

Inga: Und falls du Aisha siehst, sag ihr bitte, dass das nicht geht mit protestieren. (doziert:) Wir müssen die Kultur unserer Freund_Innen respektieren. (resolut) Sag ihr, dass das nicht geht. Das geht nicht. Sie muss das tolerieren.

Anni: Keine Ahnung, was die hat. Ist doch schön unter Deck. (ab)

Logbucheintrag: Zu unserem eigenen Schutz – es geht ein harter Wind auf See – und um die Crew nicht abzulenken, wurden wir Frauen gebeten, unter Deck zu bleiben, so lange die Crew sich an Bord befindet. Obwohl wir freiwillig entschieden haben, dieser Bitte nachzukommen, und obwohl genügend Pausen eingeplant sind, gibt es einzelne Aktivist_Innen, die diese Vereinbarung als frauenfeindlich missdeuten. Da sie alle einer anderen Kultur angehören, kann ihnen niemand zum Vorwurf machen, dass sie mit den Grundsätzen der Frauenbewegung nicht vertraut sind. Soll unsere Mission nicht scheitern, müssen wir diese einzelnen Aktivist_Innen allerdings bald und gründlich darüber aufklären, dass ihre grenzenlose Eigensucht Gift für unsere multikulturelle Solidargemeinschaft ist. In Abwandlung eines so schönen wie wahren Sinnspruches unseres Genossen Che: Fügsamkeit ist die Zärtlichkeit der emanzipierten Frau.

Frauenstimme (aufgebracht): Inga, das geht nicht!

Inga (eisig): Hör mir mal zu, Aisha, was du da machst, das kann ich nicht mitmachen. Das ist nicht in Ordnung. Das ist eine Beleidigung, was du da machst, und das lasse ich nicht zu.

Aisha: Aber…

Inga: Das lasse ich nicht zu. Wir haben uns geeinigt, vorher. Was soll ich ihnen sagen? Die werden ihr Leben lang immer nur diskriminiert mit dieser, dieser vom Sarrazin… (unsicher) Islamo…fobie. Einmal, haben wir gesagt, die sollen auch einmal ein paar Tage leben, ohne beleidigt zu werden, und jetzt kommst du!

Aisha: Wen wollte ich beleidigen? An Deck will ich! Warum darf ich das nicht, als Frau an Deck?

Inga: Erzähl keinen Quatsch, jede Frau darf an Deck. Nur nicht während der Fahrt. Das ist so abgemacht. Wir können immer an Deck, wenn wir nicht fahren. Das ist vereinbart. Daran müssen sich alle halten. Auch du. Haben wir uns verstanden jetzt?

Aisha (stur): Ich gehe, wann ich will. (ab)

Inga (brüllt): Dann rasier dir doch gleich den Schädel! (leise zu sich selbst:) Wäre auch zu schön gewesen, ein paar Wochen ohne Hetze.

Logbucheintrag: Außer den vier Passagierschiffen zählen noch vier Frachtschiffe zu unserer Flottille, jedes davon randvoll beladen mit Hilfsgütern. Die “Ernesto” transportiert hochwertige Lebensmittel, vorrangig frisches Obst, aber auch einen gute Tonne belegter Brötchen sowie leckere Süßspeisen für die armen, hungernden Kinder dieser Welt, besonders die ärmsten der Armen, nämlich die Kinder Gazas, die nicht einmal ihre Väter oder Mütter zur Arbeit begleiten können, ohne von den Zionist_Innen als lebende Tontauben missbraucht zu werden. Die Bananen duften bereits jetzt so herrlich, dass es uns schwer fällt, nicht die eine oder andere zu stibitzen. Alle Lebensmittel wurden uns von hilfswilligen Bürger_Innen gespendet und noch kurz vor der Verladung vom Bundesarbeitskreis Solidarische Küche der Partei Die Linke auf versteckte Gifte überprüft, da nicht ausgeschlossen werden konnte, dass sich unter den Spendern Zionist_Innen befinden. Die “Che” transportiert Medikamente – derzeit vor allem Lusthemmer, um den boshaften Plan der Zionist_Innen, mittels eingeschmuggelter Aphrodisiaka eine Bevölkerungsexplosion in Gaza herbeizuführen, was angesichts der geschlossenen Grenzen einem Holocaust gleichkäme, zum Scheitern zu bringen; aber auch diverse Kopfschmerzmittel, Antidepressiva und Gingkopräparate aus den Privatvorräten der Aktivist_Innen – und Baustoffe. Um optimale Aufbauhilfe zu gewährleisten, wurden Zement, Mörtel und Putz bereits vor der Abfahrt angerührt. Gerade in Gaza ist jede Sekunde kostbar, und auch die schwerste und schmutzigste Arbeit wird leicht erträglich, wenn sie mit der Chance einhergeht, wenigstens eine_N oder zwei Palästinenser_Innen vor dem Tod an Baustoffmangel zu retten.

Anni (besorgt): Du, Inga?

Inga (schreckt hoch): Was? Ja. Ist es schon so weit?

Anni: Aisha macht mir Gedanken. Da weiß ich nicht, ob es wirklich, naja, ob es so richtig ist, die kommt ja aus einer Kultur, wo sie Toleranz nicht kennt. Sie hat glaub ich mal gesagt, ihre Familie wäre so (zögert) religiös gewesen, ohne… naja, und ihr Vater.

Inga (ernst): Ja, hat sie geschlagen, nicht? Und eingesperrt, bis sie abgehauen ist. Aber deswegen braucht sie nicht alle Muslim_Innen hassen, die ist ja wie ihr Vater, wenn sie das nicht tolerieren kann, die muss sich mal davon lösen und vernünftig werden, so wie wir. Meine Kindheit war auch nicht fröhlich, ne. Ich weiß noch, beim Spazierengehen, da war ich noch klein, da sagt mein Vater. Wir kommen an einem Bettler vorbei, und da sagt mein Vater: Der stinkt. Der stinkt! Ich hab tagelang geheult und als ich älter war, habe ich ihn angespuckt. Zum Geburtstag habe ich ihn angespuckt, den Faschist, und der wollte nicht diskutieren, der sagt zu mir: Raus hier. Raus hier! Meine Familie ist auch nicht demokratisch, aber führe ich mich auf? Das muss die Aisha noch lernen, das kennt sie nicht, mit ihrer Kultur.

Anni (mitfühlend): Ja, das war noch Nazi, unsere Eltern.

Inga: Adenauer war das, ja. Den seine Regierung war auch die erste, die den Zionisten hinten und vorne, die denen da reingekrochen ist. Der Adenauer war der erste. Das passt zusammen. Und wo hat das alles zu geführt? Krieg überall. Sogar den Barak in Libyen wollen sie stürzen, weil Israel die Palästinenser so schlecht behandelt. Aber da sind wir gegen, das lassen wir nicht zu, und wenn die Aisha mit ihren Komplexen, wenn die da Islamhass macht hier, dann müssen wir sie notfalls einsperren, bis alles vorbei ist.

Anni (fest): Ich rede nochmal mit Aisha. Muss ja jetzt nicht alles eskalieren. (ab)

Inga (müde): Na viel Spaß.

Logbucheintrag: “Khaibar 1″ ist mit Unterrichtsmaterialien und solidarischen Briefen beladen. Bei den Unterrichtsmaterialien handelt es sich größtenteils um politische Schriften, die sich ausgezeichnet dazu eignen, Schüler_Innen über den verderblichen Einfluss aufzuklären, den die Zionist_Innen seit Jahrhunderten auf alle Freiheitsbewegungen der Welt ausüben und die Schüler_Innen darüber zu informieren, welche Schritte nötig sind, um den zionistischen Weltterrorismus durch einen sozialistischen Weltfrieden zu ersetzen. Diese Materialien werden vorerst noch nicht gebraucht, da Genosse Haniya in Gaza bereits ausgezeichnete Aufklärungsarbeit leistet. Gut 80% des Frachtraums nehmen indes die solidarischen Briefe ein, von denen die meisten aus Deutschland stammen, vorrangig von Lesern der Jungen Welt, des Neuen Deutschlands und der Deutschen Stimme. Letztere wird von der zionistischen Systempresse und einigen Pseudolinken gewöhnlich als Nazizeitung verunglimpft, jedoch hat uns noch keine_R einen Beweis für die Richtigkeit dieser hetzerischen Behauptung vorgelegt. Das Frachtschiff “Khaibar 2″ schließlich ist mit Feuerwerkskörpern aller Arten und Größen beladen. Es kann zwar nicht ausgeschlossen werden, dass einige dieser Feuerwerkskörper von Friedenskämpfer_Innen als Waffen gegen “Israel” eingesetzt werden, jedoch sind für solche unschönen Entwicklungen die Zionist_Innen selbst verantwortlich. Gäbe es keinen zionistischen Völkermord an den Palästinenser_Innen, wäre auch kein_E Friedenaktivist_In dazu gezwungen, das palästinensische Volk mittels Gewalt zu verteidigen. Derzeit jedenfalls ist jede Gewalt gegen “Israel” legitim, denn, frei nach Ernesto Che Guevara: Militanz ist die Zärtlichkeit der Pazifist_Innen.

Inga: So, das wär’s für heute. (legt Buch und Stift beiseite)

Männerstimme: Na, noch bei der Arbeit?

Inga (vertraulich): Ach, Tarik, du ahnst nicht, was hier schon wieder los ist, du willst es gar nicht wissen, musst auch nicht. Es reicht, wenn ich mich ärgern muss.

Tarik (besorgt): Jetzt nicht ärgern. Nicht jetzt schon. Das kommt später bestimmt noch genug.

Inga (müde): Da hast du wohl recht. (kurze Pause) Du, lass mal bitte, hast du noch eine Zeitung hier für Anni? Wie heißt sie, die Zeitung?

Tarik (verständnislos): Zeitung?

Inga: Na, für Anni. So eine Zeitung, wie ich auch habe. Auf englisch. Was religiöses, steht im Titel, wie hieß die heilige Stadt der Palästinenser_Innen?

Tarik (…): …

Inga: Und mit den Eltern von… Moment, du hast es mir doch übersetzt… (lange Pause) An Weihnachten habe ich gedacht. Die heiligen drei Weisen aus dem, wie hieß die Stadt, die die Israelis den Palästinenser_Innen schon vor zweitausend Jahren stehlen wollten? Die heiligen drei Weisen von… von…

Tarik: Von Zion?

Inga (begeistert): Genau! So eine Zeitung braucht Anni noch, du weißt schon, Anni. Die Dürre mit den Haaren. Die liest immer so viel Schund, so rechte, so Systempresse, und da schreiben ja die obersten Verbrecher_Innen direkt rein. Die weiß gar nicht, was eine richtige Zeitung ist.

(Tarik ab auf anderes Schiff, Rita ab unter Deck, Schiffe ab auf See)

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